Seit dem 7.04.2006

Letzte Aktualisierung am 04.07.2014

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Liebe Kirchenbesucherin, lieber Kirchenbesucher!

Öffnung der Kirche vom:
1. April bis 30. September

Unsere evangelisch-reformierte Kirche Heiligenkirchen hat bemerkenswerte Besonderheiten und eine interessante Entstehungsgeschichte.

Wochentage:
Dienstag – Samstag von
9.30 - 12.00 Uhr
Dienstag – Freitag von
14.00 -16.00 Uhr

Werfen Sie eine Blick auf unsere Orgel. Als man die alte Orgel 1969 abbaute - sie hatte ihre Zinnpfeifen schon im ersten Weltkrieg opfern müssen und war dann nach einer Restauration im Jahr 1919 nicht mehr vollwertig - stieß man auf der Suche nach einer neuen Orgel auf ein Barockgehäuse aus dem Jahr 1700, das Heinrich Klausing aus Herford damals für die Kirche zu Bösingfeld gebaut hatte. Die Firma Walcker fertigte mit Hilfe der noch erhaltenen Prospektteile ein schönes Instrument mit zwei Manualen und 15 Registern an.
 

Zwei Grabtafeln, von denen eine rechts im Chorraum und die andere an der Nordwand der Kirche angebracht ist, sind Reste eines Grabgewölbes der Familie von Hammerstein, die von 1614 - 1805 im Besitz des Ritterguts Hornoldendorf war. Früher wurden alle Toten rings um die Kirche bestattet. Davon zeugen eine Reihe noch erhaltener Grabsteine im Kirchhof. Bis heute finden die Trauergottesdienste für die verstorbenen Gemeindeglieder in der Kirche statt.

Achten Sie auf die Gestaltung der Schlusssteine im Gewölbe. Der Christuskopf in der Nähe des Turms erinnert an das Bibelwort von Jesus Christus als dem von Gott erwählten Eckstein seiner Gemeinde
(1. Petrus 2, 6 und 7).
Kanzel, Abendmahlstisch (Altar) und Taufstein wurden 1969 von dem Hiddeser Bildhauer Prof. Karl Ehlers geschaffen.

Beim Rundgang durch den Kirchenraum fällt insbesondere ein Fresko in einer Nische neben der Kanzel auf. Diese spätgotische Malerei zeigt das Kreuz Christi und die Marterwerkzeuge. Als Graf Simon VI. ab 1605 in Lippe mit dem Heidelberger Katechismus die reformierte Lehre einführte, übertünchte man wegen des 2. Gebots (Bilderverbot) die Wandgemälde und Gewölbemalereien der Kirche und mauerte auch die Nische zu. Bei der Renovierung 1969 wurde die Nische wieder freigelegt und die Malerei restauriert.

Im Zusammenhang der Renovierung der Kirche stieß man bei Ausgrabungen auf Fundamente eines einschiffigen, gewölbten, romanischen Langhauses, wie es in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebaut wurde. Nach Abtragen des romanischen Fußbodens kamen die Reste einer noch älteren, vorromanischen Kirche zutage. Am besten erhalten war die Chorapsis. Ein Datum für die Errichtung der ersten Kirche ist nicht mit Sicherheit anzugeben. Mit Vorbehalt ist eine Datierung in das 9. Jahrhundert (Lobbedey), vielleicht sogar in das späte 8. Jahrhundert möglich. Der älteste Teil des jetzigen Kirchengebäudes ist der spätromanische Turm aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Kirchenschiff wurde nach einem Brand zu Anfang des 15. Jahrhunderts zerstört und danach gotisch wieder aufgebaut.

Als Schutzheilige bekam die Kirche zwei Ärzte des Altertums, Cosmas und Damian, die in der diokletianischen Christenverfolgung (303 - 305) den Märtyrertod erlitten haben.
Jahrhundertelang diente die Kirche als Wehrkirche dem Schutz der umwohnenden Bauern. An diese Tatsache erinnern noch heute erkennbar vier Schießscharten im Turm. Ein Erdbeben im Jahr 1767 erschütterte Turm und Kirche sehr. Von der anschließenden Reparatur zeugen noch die Eisenklammern am Turm.

Im Ausbau des Turmdaches hing ursprünglich die Feuerglocke. Sie wurde im 1. Weltkrieg eingeschmolzen. Im Jahr 1965 ließ die Kirchengemeinde zu einer noch aus dem 16. Jahrhundert übrig gebliebenen Glocke drei neue gießen. Die Tonfolge der Glocken e - g - a - h ist der Anfang des Adventsliedes "O Heiland, reiß die Himmel auf". Der untere Teil des Turmes wurde als Ehrenhalle für die in den beiden Weltkriegen Gefallenen gestaltet.

Die Entstehungsgeschichte unserer Kirche ist außerordentlich spannend. Sie hat mit dem bedeutendsten europäischen Herrscher des Mittelalters, mit Karl dem Großen, zu tun.
Nach Nikolaus von Schalen (Paderborner Kirchengeschichte um 1700) geht die Kirche und der Name der Ortschaft auf eine Schlacht Karls des Großen zurück. Im Jahr 783 treffen auf dem heute so genannten Königsberg, nahe dem sächsischen Theotmalli - Theotmalli war ein Volksversammlungsplatz, ein Richt- und Thingplatz und Mittelpunkt des Theotmalligaus -Truppen des christlichen Frankenkönigs Karl auf Krieger des Sachsenherzogs Widukind. Die Schlacht wogt hin und her. Als sich das Glück gegen Karl wendet, ruft dieser Gott um Hilfe an. Im Augenblick wendet sich das Blatt und die Franken treiben die Sachsen in die Flucht. Daher nannte man den Berg, auf dem der Kampf stattgefunden hat, "Heiligen Hülfsberg". Zum Dank für den Sieg ließ Karl auf dem Königsberg eine Kapelle mit dem Namen "Gottes Hülf" erbauen. Die Kapelle, so schreibt Nikolaus von Schalen, sei später im Tal der Berlebecke neu errichtet worden und habe als Wallfahrtskirche "Zur Heiligen Hülfe" dem dann entstandenden Ort den Namen gegeben:
Heiligenkirchen.

Inzwischen gibt es aber Ernst zu nehmende Zweifel an dieser Überlieferung.
Der Geograph Prof. Dr. Adolf Schüttler hat eine andere Theorie aufgestellt. Quasi im Vorbeigehen nimmt er dabei den benachbarten Detmoldern die Gewissheit, ihre Stadt sei das alte sächsische Theotmalli gewesen. Theotmalli war für den Wissenschaftler Heiligenkirchen selbst. Schüttler kritisiert, dass die Legende sich lediglich auf mündliche Überlieferung, nicht aber auf handfeste Quellen stütze. Zumal übersehe sie historische Fakten. Die Schlacht bei Theotmalli habe für Karl eben nicht siegreich geendet. Der Frankenkönig habe sich vielmehr nach Paderborn zurückgezogen, seine Truppen verstärkt und erst einige Zeit später bei Osnabrück die Sachsen entscheidend geschlagen - kein Grund also zum Bau einer Kapelle auf dem Königsberg. Vor allem hätte es für die Franken keinen Sinn gemacht, eine kleine Kirche auf einem Berg abseits einer im Tal schon vorhandenen sächsischen Siedlungsanlage - eben Theotmalli/Heiligenkirchen - zu bauen. Für Schüttler ist die Kirche Teil fränkischer Politik. Theotmalli sei im Gegensatz zum späteren Detmold, im achten Jahrhundert Mittelpunkt eines sächsischen Siedlungsgebietes gewesen. Das hätten die Franken genutzt, vermutlich einen Königshof mit rund 80 Hektar Land dort angelegt und auch eine Kirche im Zentrum der Siedlung errichtet, unmmittelbar neben dem Versammlungsplatz.

Diese These korrespondiert mit den Ergebnissen der Ausgrabungen aus dem Jahr 1969. Diese hatten noch unter den Fundamenten eines vorromanischen Sakralbaus eine Schicht mit Holzkohleresten, Tierknochen und Tonscherben - Beleg für eine sächsische Siedlung vor 783 - zu Tage gefördert.
Und was lässt sich über die Bedeutung unserer Kirche als Wallfahrtskirche historisch feststellen? Wallfahrer zog Heiligenkirchen wohl tatsächlich an, wie Schüttler glaubt. Der Grund: Papst Leo III. bat 799 Karl den Großen in Paderborn um dessen Hilfe im Kampf gegen Leos Widersacher in Rom. Aus Dankbarkeit stiftete der Papst der inzwischen in Theotmalli gegründeten Kirche einen besonders prächtigen Altarstein mit den Reliquien mehrerer Heiligen. So kam das neue Kirchspiel in Theotmalli zu seinem heutigen Namen: Heiligenkirchen. Als die Kirche zu Beginn des 11. Jahrhunderts ihre Bedeutung eingebüßt hatte, wurde der Altarstein in die Bischofsstadt Paderborn transportiert. Dort erhielt er eine neue Zweckbestimmung in der Krypta des Klosters Abdinghof.

So gibt es also zwei Versionen für die Entstehung unserer Kirche. Dabei scheint einiges für die zweite Version zu sprechen. Fest steht auf jeden Fall, dass unsere Kirche auf Karl den Großen zurückgeht und somit eine besondere Entstehungsgeschichte vorweisen kann.
Über Jahrhunderte hinweg haben Menschen in unserer Kirche Orientierung, Halt und Zuflucht gefunden. Sie haben sie als Schutzraum in äußeren und inneren Notlagen erfahren, aber auch als Ort, an dem ihnen Wegweisung aus dem Evangelium Jesu Christi gegeben wurde. Möge sie auch weiterhin ein Ort sein, an dem Menschen Trost und Hilfe finden, eine Wahrheit, die frei macht und aufrichtet, eine Gemeinschaft, in der sie singen und beten können, Worte die Mut machen: Mut zu leben, zu glauben, zu lieben, zu hoffen - auch über den Tod hinaus.

 

 

 

 

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